Archive for Januar 2010

Abschied

Januar 20, 2010

von Pushkar nach Udaipur

Zweifellos sind die Inder von unseren Motorrädern begeistert. Ich habe mich daran gewöhnt die Spiegel und Einstellungen  meiner Transalp an so manchen Morgen wieder neu einzustellen.

Auf ihren kleinen Motorrädern versuchen gerade die Jungen uns zu beeindrucken indem sie besonders schwungvoll um uns herumschwirren. Und manchmal übertreiben sie es. Als wir Pushkar gegen Morgen verlassen wollten drängte sich eine 125er zwischen uns und wollte rechts vorbeiziehen. Der Weg wurde zu eng und das Gas blieb hängen. Mit heulendem Motor kippte die kleine Honda von der schweren Bullet weg und schlitterte gegen Marktstände und stehende Roller.

Als Ausländer ist man erstmal pauschal schuld, egal wie der Unfallhergang wirklich war. India no good for big Bikes lies mich ein ganz schlauer mit grauem verfilztem Haar und betelnuss rotem Grinsen wissen.

Gegen die aufgebrachte Menge hätten wir schlechte Karten gehabt. Shiva sei dank war nur das Image und die kleine Honda Hero unseres Helden angekratzt und alles hatte sich so schnell aufgelöst wie es passiert war. Nun wach bewegten wir uns auf kleinen aber guten Straßen und ließen den Wallfahrtsort zwischen kargen Hügeln in Richtung Ajmer hinter uns um über den Highway nach Chittorgarh zu rollen.

Das Fort dort aus dem 8. Jahrhundert  mit seinen über 130 Tempeln war so groß, das wir die Anlage mit unseren Bikes befahren durften. Im 16. Jahrhundert begingen 13000 Frauen und 32000 Krieger Selbstmord nachdem sie durch  Bahadur Shah, dem Sultan von Gujarat besiegt wurden.

Leider musste Adam seinen lahmen Gaul immer wieder an kicken und so verbrachten wir anschließend die nächsten Stunden damit das alte Ross wieder in Gang zu bringen. Da ich mit meiner XT 600  vor sechs Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht hatte wusste ich wie Adam zumute war. So gut ich konnte unterstütze ich moralisch, mit technischem Wissen und Werkzeug. Wir waren seit Varanasi fast einen Monat lang zusammen unterwegs und die meiste Zeit stand das Motorrad in irgendwelchen Werkstätten. Ironischer weise trennen sich, jetzt da das Motorrad nun wirklich zu verlässlich seinen Dienst verrichtete unsere Wege. Die letzte Nacht entschieden wir uns ausserhalb von Udaipur zum ersten mal in meinem Zelt in der nähe von Ranakpur zu übernachten. You put your tent in a fucking Jungel kommentierte Adam nachts die vielen unbekannten Tierlaute in der unmittelbaren Nähe unseres Zeltes. Verbotener weise hatten wir das Zelt in einem Wildpark aufgestellt. Ab hier werde ich mich wieder alleine Richtung Arabischen Ozean durchschlagen…..

Hier sieht meine Alubox noch gut aus 😉

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Die Welt ist klein

Januar 14, 2010

Von Dheli nach Pushkar

Für eine absehbare Zeit bestand unsrere Motorragang nun aus vier Weltreisenden.

Der 18 jährige Tevin aus Amerika hat sich mit seiner 85er Endfield in Dheli zu uns gesellt. Seit dem übertrumpfen sich beide Endfieldfahrer gegenseitig mit ihren Werkstattbesuchen.

Es wird ausgewechselt und repariert oder neu montiert:

2 x verschlissene Nockenwellenlager (Billiges auluminium), defekter Kabelbaum, abgenutzte Kette mit beiden Ritzeln, verschlissene Kolben und Zylinder (als neu verkauft), Birnen, Zündsystem, verbogene Gabel (mit Motorenöl und Papier als Dichtmaterial!) schiefer Gepäckträger, Kupplungshebel, verschmutzter Vergaser, kaputte Tachowelle, Dichtungsringe, zu schwache Batterie, Benzinfilter, Rückspiegel und  Hupe.

Vielleicht sollte ich eher beschreiben was nicht gemacht wurde.  Aber was gemacht wurde war immer teurer für den reichen Weissen, not bad but thats India.

Wenn ich dann mal abseits der Werkstätten nicht beim Fachsimpeln war unterhielt ich mich mit Lana.  Vor knapp vier Jahren verliess sie England. Ihre Reise führte sie nach Australien zu Adam. Sie hätte sich nie vorstellen können dort zu heiraten und dann auf Weltreise zu gehen.

Bis auf dem bischen Öl, welches aus der Gearbox und dem Zylinderkopf kommt, Zündausetzern bei 60 Sachen und rausspringenden Gängen und der Vergasereinstellung gibt es keine groesseren Probleme mehr.

Es kam vor das die ein oder andere Rebuild dann auch mal stehen blieb. Nachdem uns Motorradrockern in Jaipur diesmal der Zugang zum Tempel verwehrt wurde protestierte Tevins 1985er und sprang nicht mehr an. Adam und ich haben dann kurzentschlossen das Bike wie eine Billardkugel mit gestreckten Beinen durch den dichten Verkehr der Fünfmillionenstadt Jaipur bugsiert. Was für ein Anblick! 1876 wurde die Altstadt zu Ehren King Edward VII komplett in Pink bemalt. Nach einigen Werkstattagen gaben wir unsere Wg in der  Pink City auf. Tevin allerdings haben wir an die zwei hübschen Kanadierinnen aus usererem besetzten Bürogebäude verloren.

Wir liessen  uns langsam von unseren Motoren durch die stetig wechselnden Landschaften Rajasthans ziehen. Im Gegensatz zur fruchtbaren Gangesebene ist diese Wüstenregion spärlich bewachsen und dünner besiedelt.

Es war absehbar dass wir nach einigen Verzögerungen zu spät an unserem nächsten Ziel  ankommen würden. Aber der kühle Abendwind und die nun harmonisch blubbernde Bullet zwischen mir und der untergehenden Sonne liessen dies alles belanglos erscheinen. Man weiss nie was auf einen zukommt.

Die Altstadt Puskars war noch belebt. In den engen Gassen wedelten wir unsere Bikes zur nächsten Unterkunft. Gerade rechtzeitig um die nächste grosse Razzia mit 25 besetzten Jeeps aus der Region miterleben zu dürfen. Die Polizisten waren dann auch so nett um mir beim Auspacken zu helfen. In  dieser nacht wurden mehrere Touristen wegen Drogenbesitzes oder Terrorverdachts in eine  Unterkunft versetzt, welche bestimmt nicht vom Lonly Planet enpfohlen wurde. Ich schlief gut und am nächsren Morgen tauchten auf meinem Erkundungspaziergang zwei bekannte Gesichter auf. Ich überholte Susi und Jürgen vor über 10000 km mit ihren Fahrrädern nahe des Arrarats in der Türkei. Trotz Warnung der Einheimischen vor Bären hatten wir zusammen unsrere Zelte aufgeschlagen. Beide sind Augsburger und haben ihren Tattoo-Laden  ca. 500 m von meiner alten Wohnung entfernt. Man sieht sich immer zweimal und  die Welt ist klein solange die Maschinen laufen.